Eines Morgens im April 2010, in einem wunderschönen Münchner Vorort begab es sich, das ein junger Mann aus mysteriösen Gründen einen gefährlichen und umheimlichen Weg beschritt. In seinem Badezimmer befragte er das wohl teuflischste, schwärzeste und heimtükischste Werkzeug das der menschlische Verstand je hervor gebracht hat: DIE KÖRPERFETTWAAGE
Ihr habt ‘The Ring’ gesehen? Glaubt mir. Dieses halbverweste japanische Mädchen aus dem modrigen Brunnen hätte mir nach diesem Morgen, nach dem WIEGEN, nur ein müdes Lächeln abgerungen und keineswegs graue Haare und den Tod durch Schock bescheert. Eiskalt starrten mich diese zwei Ziffern an (Ok, ein Optimist wäre froh gewesen das es noch im zweistelligen Bereich war). Nackt, schwarz ohne Interpretationsmöglichkeit. Als ich spürte wie mein Hände nass und schweißig wurden hielt ich mich an der Waschmaschine fest und begab mich langsam, mit Sternchen vor den Augen, aus 5 Zentimetern Höhe wieder auf den Boden der Tatsachen.
“Ok, tief durchatmen. Dafür gibt es bestimmt eine logische Erklärung…”
Als erstes sprang mit die “Schwere Knochen”-Theroie ins Auge. “Aber wenn es an meinen Knochen liegt, warum erobert sich meine Hüfte dann neues Theretorium jenseits des Hosenbundes?” Wassereinlagerung war mein nächster Gedanke. “Nö, ist ja ganz früh am Morgen :/” Die Luft wurde dünn… Mein Puls raste. “Ok Krisenmanagement. Erste Hilfe-Regel in so einem Fall: Schokolade.” Ich also nix wie zum Kühlschrank, Schokolade raus, mit zittrigen Händen zum Mund und dann… starrte ich das Stück Schokolade an. Dieses süße, unschuldige, Genuss spendende, vollkommene Etwas aus der Lebensmittelindustrie, welches mir so viele schöne Momente geschenkt hatte, war ES der Grund für diesen Schock???
Nachdem ich aufgehört hatte zu hyperventilieren und meine Gedanken nicht mehr panisch wie die Schlümpfe beim Angriff von Gargamel durch mein Gehirn rannten entschied ich mich dafür ROTEN ALARM zu geben. Es musste was passieren. Mit der unkontrollierten Ausdehnung musste es vorbei sein. Ein Plan musste her. Dank google fand ich schnell zu www.fettrechner.de und konnte mein Vorhaben mit wissenschaftlich fundierten Informationen unterfüttern.
1. Meinen BMI errechnen [verrate ich nicht sonst müsste ich Euch töten]
2. Meinen Kalorien-Grundumsatz bestimmen
3. 400 Kalorien unter Punkt 3 bleiben
4. Ergebnis: So viel darf ich an Kalorien zu mir nehmen
- Spontane Schnappatmung und das Mantra: Ich werde nicht ohnmächtig, ich werde nicht ohnmächtig -
Die folgenden Sekunden, Minuten, Stunden, Tagesabschnitte, Tage, Wochen waren bestimmt durch Verzicht, die ein oder andere Stimmungsschwankung sowie leise Stimmen die nur ich hören konnten. Totale Askese kann eine Persönlichkeit ganz schön verändern sag ich Euch…
Irgendwann war meine Mutter zu Besuch in München. Als ich nach Hause kam und den Kühlschrank öffnete um das Abendbrot vorzubereiten sah ich es. Nudelsalat, Fleischsalat, Kalbsleberwurst, Salami… Wo ich hinsah kleine Döschen köstlichsten Inhalt die alle sagten: “Iss mich! Iss mich!”. Ich konnte den Geschmack förmlich riechen und Leute, ich könnte schwören gespürt zu haben wie meine Eckzähne länger wurden und mir Haare auf dem Rücken wuchsen. Gut, meine Mutter musste sich ja auch von was ernähren und so konnte ich dieses Schlaraffenland, diesen Sündenfall, diese Versuchung in meinem Garten Eden noch entschuldigen. Aber als ich die Gemüseschublade öffnete um die Tomaten rauszulegen und mich SCHOKOLADE anstarrte konnte ich nicht mehr an mir halten.
“DUuUuUu Maaaammmaaaa” - “Ja mein Kind” - “Was hat DAS in meinem Kühlschrank verloren?” - “Die war im Angebot” - “Und??? Das sind Slipeinlagen auch ab und an und trotzdem kauf ich keine” - “Aber du magst doch Schokolade?! - “JAAAAA! Deshalb spende ich im Sommer ja auch Schatten und im Winter Wärme! ICH MACHE EINE DIÄT UND HEIMLICH ABGELEGTE SCHOKOLADE IN MEINEM KÜHLSCHRANK IST DAS GLEICHE WIE EINE SCHNAPSPRALINE FÜR EINEN ALKOHOLIKER” - ”Sorry….”. Ich kann Euch sagen, Jack Nickolson in Shining war ein Clown im Verlgeich zu mir…
Auf dem Weg runter vom Mount Speck durchläuft der ganze Körper einen Prozess der Veränderung. Vor allem die Sinne. Plötzlich kann man wie Grenouille, der Protagonist von ‘Das Parfum’, einen Burger anhand seines Duftes in seine Einzelteile zerlegen: Knusprig getoastetes Sesambrötchen, beide Hälften mit Heinz Tomatenketchup bestrichen, auf der unteren Seite zusätzlich Maille-Senf. Dann kommt ein Blatt Kopfsalat, darüber zwei Zwiebelringe, dann der Burger aus 100% Rindfleisch innen saftig außen knusprig, etwa 3 Zentimeter dick. Darüber kommt Majo und Barbecuesauce und eine Scheibe einer frischen Strauchtomate. Wenn die Nase nicht angewachsen wäre, müsste ich sie fahnenflüchtig melden…
Viele behaupten ja auch durch Schlaf würde man schlank. Meinen die den Todesschlaf??? Meine Erfahrung ist: Der Schlaf ist die Spielwiese für das große Fressen. Jahrelang hat sich mein Körper nachts selbständig gemacht und zur Honigquelle bewegt. Drei, vier mal die Nacht. Wisst Ihr wie schwer das ist so einen Automatismus abzustellen? Man klebt Zettel an den Kühlschrank “NEIN” - man sieht sie nachts nicht. Man kauft keine Schokolade mehr, dann isst man eben Joghurt. Irgendwann fing an zu Träumen ich sei ein Einbrecher und wolle mit meiner Bande das Harrod’s in London ausräumen. Während meine Kumpanen sich in die Schmuckabteilung verzogen rannte ich durch die Patisserie, mein Mund war schokoladenverschmiert und ich rief orgastisch: “JAAAAAAA, OHHHH JAAAAAA!!!!!”
Kalorien zählen ist ein wenig amüsanter aber leider notwendiger Hauptbestandteil einer Diät. Ist fast so ein bischen wie wenn man sich Calvin Klein Unterhosen kauft. Man schaut sich die kleinen Dinger an und wenn man auf das Preisschild kuckt trifft einen der Schlag wie etwas so kleines so viel kosten kann. So isses mit Kalorien. Die kleinsten Dinge haben den größten Impact - auf die Hüften!!
Ok, ok ich habe es überstanden. Ich an meinem Ziel angelangt, habe Stimmungsschwankungen überlebt, Fressattacken mit Bauchtänzen vorm Spiegel abgewehrt, meine Nase mit Grippenviren vor den Düften der Verlockung abgeschirmt, dank 24h-Hunger hab ich das Geheimnis des coolen Modelblicks gelüftet und TATA!!!: Mein Wunschgewicht erreicht.
Dennoch, man muss es ja auch halten… Das Gewicht. Gar nicht so einfach. Ist ein bischen so wie mit einer Beziehungen. Erst rackert man sich ab bis man sie hat und dann der Streß alles dort zu halten wo es ist. Aber es hat sich gelohnt. Wobei, manchmal denke ich schon sehnsüchtig an die Zeit zurück als die lila Kuh und ich noch dicke Freunde waren. Da waren meine Hüften zwar breiter, mein Grinsen allerdings auch… Naja, man kann nicht alles haben. Gell?!
